Ethik in der Freimaurerei

 

Das Ziel aller Freimaurerei ist die sittliche Vervollkommnung des Menschen. Der Weg ist die darauf gerichtete Aktivierung von Gefühl und Verstand (Vernunft). Mittel dazu sind die Rituale und die Anregung zu eigener Arbeit des Freimaurers an seinem Charakter, seinem höchstpersönlichen "Rauhen Stein".

Die christlich orientierte Freimaurerei des Freimaurer-Ordens - zu dem auch unsere Loge gehört - betont die Bedeutung religiöser Empfindungen für unser Bemühen um ein besseres, mitmenschlicheres Verhalten. Sie lehrt, dass in jedem Menschen ein göttlicher Funke "- unser Gewissen -" ruht, der den Menschen auf den rechten Weg leitet. Aus dieser Sicht dient die Freimaurerei der Selbstverwirklichung, der Realisierung in uns ruhender Kräfte und Fähigkeiten zum Guten.

Die Religiosität des Menschen führt also - so unsere Lehre - den Freimaurer - und nicht nur ihn - zu ethischem Verhalten. Der Weg der Freimaurer wird allgemein - in unserer Lehrart freilich besonders ausgeprägt - symbolisiert durch die ‘Suche nach Licht und Wahrheit’, worunter die Suche nach Gott und nach Gotteserkenntnis verstanden wird.

Das Bemühen der Freimaurer um ein Mehr an Ethik in unserem Verhalten basiert daher vor allem auf dem Glauben an die die Existenz eines Höheren Wesens, darüber hinaus aber an die Freiheit des menschlichen Willens und an die Wandlungsfähigkeit des menschlichen Charakters, sowie in unserer Lehrart auch an die Unsterblichkeit eines Teils unseres Wesen, unserer Seele.

Die Freimaurerei enthält in Ritual und Lehre zwar einige religionstypische Elemente. Sie kennt jedoch weder die religionstypische Dogmatik noch religiöse Intoleranz. Sie beansprucht insbesondere nicht, einen einzig möglichen Heilsweg zu lehren. Nach ihrem Selbstverständnis ist Freimaurerei daher keine Religion.

Auch die christliche Freimaurerei bedient sich indessen - ebenso wie die so genannte ‘humanitäre Freimaurerei’ - der Kräfte unserer Vernunft, indem sie ethische Werte postuliert, wie insbesondere Brüderlichkeit, Toleranz und Barmherzigkeit. Brüderlichkeit meint konkret: ‘in Gedanken, Wort und Tat beim Bruder sein’. Und Bruder meint nicht nur den Freimaurer-Bruder, sondern jeden ‘Nächsten’.

Diesem Ziel dient die freimaurerische Symbolik und Ritualistik, indem sie ethische Inhalte mit Symbolen und rituellen Abläufen verknüpft. Das Ritual ist zudem geeignet, durch seine allgemeine Eindruckskraft und durch viele Einzelheiten - Gebet, Altar, Bibel u.a.m. - eine religiöse Grundstimmung zu schaffen. Damit soll die dem Menschen nach unserer Überzeugung innewohnende Motivation zum Guten, also zu ethischem Verhalten, bekräftigt werden. Außerdem vermag das Ritual Konzentration und meditative Empfindsamkeit zu fördern und damit eine innere Aufgeschlossenheit für die Symbolinhalte zu schaffen.

Die Freimaurerei fordert darüber hinaus aber die regelmäßige - tunlichst tägliche - Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Nur wenn diese Verpflichtung ernst genommen wird, können die freimaurerischen Anregungen wirksam werden. Unzureichende und enttäuschende Ergebnisse beruhen nach unserer Ansicht nicht auf Mängeln der freimaurerischen Lehre, sondern auf Defiziten in der individuellen Arbeit am rauhen Stein. Aber wir Freimaurer sind uns auch bewusst, dass jeder Mensch trotz allen Bemühens unvollkommen bleiben wird.

Am Anfang der individuellen Arbeit des Freimaurers an sich selbst sollte die Erkenntnis des menschlichen Wesens im allgemeinen und des eigenen Wesens im besonderen stehen (siehe unter ‘Selbsterkenntnis’).

Die 1993 von Vertretern aller Weltreligionen verabschiedeten Prinzipien eines Weltethos entsprechen wesensmäßig der universellen freimaurerischen Ethik. Weltethos und freimaurerische Ethik basieren beide auf einem Mindestmaß an religiöser Übereinstimmung.

Die Prinzipien eines Weltethos beinhalten - freilich zum Teil anders formuliert - eine Reihe von Grundsätzen, die auch in der Freimaurerei zu den Kardinaltugenden zählen, so Toleranz und Achtung aller Mitmenschen, die Forderung nach Nächstenliebe und Barmherzigkeit, nach Mäßigkeit und nach Gewaltfreiheit.

Die Prinzipien eines Weltethos gehen aber konkreter als die freimaurerische Tugendlehre auf gegenwartsnahe Probleme ein. Sie beziehen zudem ausdrücklich die Goldene Regel menschlichen Miteinanders ein:

Wir müssen andere so behandeln,
wie wir von ihnen behandelt werden möchten.


So gesehen können die Prinzipien eines Weltethos als eine zeitgemäße Konkretisierung freimaurerischer Tugenden verstanden werden. Der nachfolgende Satz aus der Erklärung des Weltethos könnte ebensogut von jedwedem Freimaurer geschrieben worden sein:

Die in dieser Erklärung ausgesprochenen Prinzipien
können von allen Menschen mit ethischen Überzeugungen,
religiös begründet oder nicht, mitgetragen werden.


Leider ist der Kreis dieser Menschen klein. Die Durchsetzungskraft des Weltethos ist daher ebenso begrenzt wie die der freimaurerischen Lehre. Die Ursachen liegen in der Eigenart des menschlichen Wesens begründet. Weltethos wie Freimaurerei sprechen daher nur eine sittliche Elite an.
 

 



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