Eine wahrhaft königliche Kunst

 

Wenden wir uns zuerst dem Wort "königlich" zu. Im Deutschen Rechtswörterbuch, Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache (Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften), finden wir folgende Erklärung: königlich; Wortklasse: Adjektiv; Erklärung: einem König zugeordnet. Im Bertelsmann Universallexikon wird erläutert: König, althochdeutsch kuning, von kunni, "Geschlecht", der Träger der höchsten monarchischen Würde nächst dem Kaiser, in manchen Völkerschaften auch der oberste Priester. Wie bei den altgriechischen Stadtstaaten und im römischen Staat der Frühzeit gab es auch bei den germanischen Völkern Könige. Sprachlich erklärend ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, daß das Wort "König" im Begriff "Königsweg" beschreibend als "beste Möglichkeit", "bester Weg", Anwendung findet.

Vom König können wir überleiten zum Begriff Aristokratie, griechisch, "Bestenherrschaft", die herrschenden Stände einer Aristokratie (Staatsform), der Adel; im übertragenen Sinn: die Gebildeten. Hier bietet sich eine weitere Verknüpfung an: Angehörige einer Elite haben meist eine besondere Ausbildung und heben sich so in ihrer Leistungsfähigkeit und in ihrer Leistung vom Durchschnitt deutlich ab. In diesem Sinn ist Elite ein Synonym für "die Besten" (griechisch: aristoi) und bilden daher, wenn sie herrschen, eine Aristokratie im Wortsinn. Die Elitenbildung läßt sich wiederum als Suchprozess verstehen, bei dem besondere Begabungen "entdeckt" und dann zur Entfaltung gebracht werden, wozu auch die Selbstvervollkommnung zählt - freimaurerischer Terminus: "Arbeit am rauhen Stein".

Mit dem Zerfall der ständischen Gesellschaft entwickelt sich die "Intelligenz"-Elite zum eigentlichen kritischen Träger von Wissenschaft, Kunst, Technik, Wirtschaft und Politik. Diese Elite ist das dynamische Element der Gesellschaft, das die jeweils gegebenen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Formen der Gesellschaft immer wieder in Frage stellt, weil sie ihr lediglich als Stadien eines Entwicklungsprozesses erscheinen. Bei dieser Geisteshaltung wird es für nötig befunden, gegenüber elitären Ansprüchen stets eine (selbst-)kritische Distanz zu halten, da eine Elite in dem, was sie repräsentiert und bewirken will, einer erhöhten Notwendigkeit ihrer Rechtfertigung ausgesetzt ist.
 

 

Mit anderen Worten:
Der Weg zur Vollkommenheit ist das Ziel,wobei diese per Definition nie erreicht wird. Der hier beschriebene Denkansatz spiegelt auch die freimaurerische Geisteshaltung wider.

Der Begriff "Kunst" bezeichnet im weiteren Sinn die Anwendung angeborener oder erworbener Fähigkeiten in hochentwickelter, spezialisierter Form als "Können" oder Kunstfertigkeit und das Resultat dieser Betätigung als Kunstwerk, sofern es durchschnittliche Leistungen übersteigt, was uns wieder zu den Begriffen Elite und Selbstvervollkommnung führt.

Im Altertum ist der Begriff "Kunst" etwas anders eingegrenzt. Es werden sieben "Freie Künste", lat. Artes liberales, aufgezählt und oft durch eine siebensprossige Leiter symbolisiert. Sie umrissen in der Antike und im Mittelalter die Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Unterrichtung eines freien Mannes, der nicht auf materiellen Broterwerb angewiesen war, für nötig erachtet wurden. Die Beschäftigung der Sklaven nannte man im Gegensatz dazu Artes illiberalis ("unfreie Künste"). Die mit körperlicher Arbeit verbundenen mechanischen bzw. schmutzigen Künste (Artes mechanicae, lateinisch, "mechanische Künste", auch Artes sordidae, lateinisch, "schmutzige Künste", oder griechisch technai banausoi, "Handwerkskünste") durften auch Unfreie ausüben. Im Mittelalter zählten zu den Artes mechanicae auch die Bildende Kunst mit der Baukunst sowie die Angewandte Kunst.

Im Mittelalter wurden die Freien Künste in Klöstern gelehrt. Man unterschied das Grundstudium (Trivium) und das weiterführende Quadrivium.

Zum Trivium gehörten die sprachlichen Fächer:

  • Grammatik (mit Literatur),
  • Dialektik oder Logik,
  • Rhetorik (mit Recht und Ethik).
  • Zum Quadrivium gehörten die mathematischen Fächer:
  • Arithmetik,
  • Geometrie (mit Geographie und Naturgeschichte),
  • Astronomie (mit Astrologie),
  • Musik, insbesondere Kirchenmusik.


Nach Abschluss des Quadriviums erhielt der Schüler an den Universitäten des späteren Mittelalters den akademischen Grad eines Magisters der Künste.
 

 

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